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Piskowitzer Christus-Säule neu geweiht

Piskowitzer Christus-Statue geweiht am 24. Juni
Fotos: ah

Ursprünglich hatte eine örtliche Initiativgruppe zwecks Restaurierung des religiösen Denkmals in der Dorfmitte dessen Enthüllung und Weihe nach umfangreicher Instandsetzung sowie neuer Farbgebung für den ersten Mai 2012 vorgesehen. Aber wie das so ist mit bejahrten Objekten.
Während der Arbeiten der Denkmalspfleger und ihrer engagierten Helfer aus Piskowitz zeigten sich unvorhergesehene Schäden, die einen höheren Aufwand an Zeit, Material und letztendlich auch Kosten bedingten. Aber Ende gut, (fast) alles gut.
Am vergangenen Sonntag war es soweit – die vor über 140 Jahren von den damaligen Besitzern des Rittergutes Piskowitz aufgestellte Christusstatue konnte nach einer umfangreichen Restauration vom Nebelschützer Pfarrer Jakubasch in Anwesenheit sehr vieler Piskowitzer enthüllt und geweiht werden. Eingeladen und zugegen waren auch jene, die als Denkmalschützer, Gutachter und handwerklich Versierte einen gewichtigen Anteil bei der Erhaltung des religiösen Denkmals leisteten.

von Helmut Schippel

Restaurierte Christusstatue in Piskowitz geweiht

Piskowitzer Christus - ah
Er bewacht uns auch in der Nacht! - bk

Am letzten Sonntag war ganz Piskowitz auf den Beinen, von den Jüngsten bis zu den Ältesten. Kurz vor Drei rief die Glocke der Kapelle zu einer Andacht aus ganz seltenem Anlass.

Hat Kamenz seinen Lessing und der Nachbar Deutschbaselitz seinen weltweit bekannten Kunstmaler Baselitz so hat Piskowitz seine durchaus auffällige Christusstatue mitten im Ort. Aber sie war überaus in die Jahre gekommen und eine grundlegende Instandsetzung stand ins Haus. Alle Bemühungen einiger traditionsbewusster Einwohner, bei öffentlichen Stellen diesbezüglich Unterstützung zu finden, waren fehlgeschlagen. Damit wollte sich insbesondere Agnes Bräuer nicht abfinden. Sie wandte sich an die Unternehmer Schuster und Althaus sowie an den Imker Polk, um ein Erbe der Dorfgeschichte, sprich die Statue, vor dem Verfall zu bewahren. Sie traf auf offene Ohren. Als Interessengemeinschaft Denkmalspflege dachte man gemeinsam über Lösung des Problems nach. Mit Heinz Rentsch als ehrenamtlichem Beauftragten für Denkmalspflege im Landkreis Bautzen gewannen sie einen kompetenten Verbündeten. Allein auf öffentliche Mittel zur Restaurierung des Bauwerks zu setzen erschien den Vier zu unsicher. Alle Familien im Ort wurden über das Vorhaben einer grundhaften Instandsetzung des „Christus" informiert. Die breite Zustimmung mündete in eine bemerkenswerte Spendenbereitschaft der Piskowitzer Bürger. Rund 2000 Euro brachten sie auf. Fast die doppelte Summe steuerten Unternehmer des Ortes und der nächsten Umgebung bei. So gerüstet konnte die Firma Rentsch und Weinrich GmbH aus Doberschütz an die Arbeit gehen.

Die Statue wurde einst 1870 vom damaligen Rittergutsbesitzer von Götz in Auftrag gegeben. Die vermutliche Beilegung eines Verwandtschaftsstreites hatte ihn dazu bewogen. Mit Absicht wurde einst die Inschrift „Friede sei mit Euch“ am Sockel eingraviert. Mehrere Ausbesserungen erfolgten in der langen Zeit seither. Doch auch an steinernen Sachzeugen der Geschichte nagt der Zahn der Zeit. Die Restauratoren, weithin in der Oberlausitz bekannt mit vielfältigen Arbeitszeugnissen an Kirchen, Kapellen, Betsäulen und anderen sakralen Baulichkeiten, waren durchaus auf Überraschungen bezüglich des Zustandes der Christussäule in Piskowitz gefasst. Und die blieben auch nicht aus. „Das Schadensbild war enorm. Blätternde Übermalungen waren zu entfernen. Vermoosungen und Algenbewuchs, die bis in den Untergrund des Sandsteines gedrungen waren, galt es zu entfernen. Denselben musste man wieder stabilisieren. Fehlstellen bei Fingergliedern und beim Faltenwurf des Gewandes des Heiligen waren zu ergänzen. Schließlich sollte auch die originale Farbgebung ergründet werden“, so Rentsch anlässlich seiner Rede im Anschluss an die Weihe des Denkmals. Im Gefolge der Laboranalyse fanden die Experten heraus, das der Sandstein der Säule ursprünglich 20 Jahre lang naturbelassen blieb und erst dann einen hellen, warmtönigen Schutzanstrich erhielt. All die erforderlichen Arbeiten führte die erwähnte Firma sorgfältig aus und so konnte dann Pfarrer Jakubasch einen in heller Farbe freundlich hernierderblickenden Christus im Angesicht der dörflichen Gemeinschaft weihen.

Nach so viel Engagement und Spendenbereitschaft feierte faktisch das ganze Dorf bis in die Abendstunden hinein. Am Feuerwehrdepot spielten die Musiker von „da capo“ aus Dürrwicknitz, die schon zuvor als Bläserquartett die Andacht in der Kapelle mitgestalteten, zur Unterhaltung auf. Leckere Speisen und Getränke, spendiert von den schon genannten örtlichen Unternehmern trugen das ihre zur guten Laune bei. Ein beachtenswertes Vorhaben hatte ein jeder Piskowitzer im Maße des ihm Möglichen mitgetragen. Vielleicht lächelte insgeheim ihr Christus mit Blick auf seine froh gestimmte Gemeinde und dachte an die Inschrift zu seinen Füßen „Friede sei mit Euch“.     

Es geht ihr nicht gut, der Christusstatue in Piskowitz. Daran gibt es keinen Zweifel. Umsonst steht sie derzeit nicht völlig mit Planen verhüllt am angestammten Platz mitten in dem kleinen Ortsteil von Nebelschütz. Wer als Fremder  den Ort durcheilte, der bemerkte nicht, dass der Zahn der Zeit die Statue nicht verschont hat. Aber wer wie sie 142 Jahre Wind und Wetter ausgesetzt war, musste einfach dem Alter Tribut zollen. 1870 ließen die damaligen Besitzer des Rittergutes Piskowitz aus Sandstein eine mindestens lebensgroße Christusstatue auf einem Sockel gleichen Materials aufstellen. Man erzählt sich im Dorf, dass die herrschaftliche Verwandschaft mit zwei Kutschen eine Ausfahrt unternahm. Die Gefährte kollidierten, Verletzte waren zu beklagen und Zank unter den Beteiligten war die Folge. Erfreulicherweise zog bald Vernunft ein und die Statue des segnenden Jesus, dessen Blick auf das Gutshaus des damaligen Besitzers Freiherr von Götz gerichtet ist, verlieh dem Familienfrieden Ausdruck. Deshalb auch die Sockelgravur „Friede sei mit Euch“.

 

Die Statue könnte Piskowitzer Geschichte erzählen

Wenn Gegenstände Geschichten erzählen würden -  die Jesusstatue in Piskowitz könnte viel berichten: von Naturunbilden, politischen Wirren, dörflichem Zwist und dörflichem Frieden. Nach dem 1. Weltkrieg fehlte dem Christus plötzlich die rechte Hand, war es die Tat böser Buben, das Alter des Kunstwerkes? 1928 erst ward der Schaden behoben.
Im Februar / März 1945 fand nicht weit vom steinernen Jesus auf dem Hof der Scholzes Prof. Dr. Victor Klemperer, der geniale jüdische Sprachwissenschaftler aus Dresden, Schutz vor seinen braunen Häschern. Das im April des gleichen Jahres die Statue bei den Kämpfen um das Dorf unbeschädigt blieb, bezeichnen die Zeitzeugen noch heute als ein Wunder. Bis auf sechs oder sieben Häuser waren nach der Einnahme des Ortes durch die Rote Armee alle schwer beschädigt oder völlig abgebrannt. Deutsche Artillerie schoss von Kamenz her auf das Dorf, um der eigenen Infanterie das Absetzen vor den anstürmenden Russen zu ermöglichen. 
Von 1947- 1959 dürften in der Gaststätte gleich neben dem Denkmal die einheimischen und fremden Bergarbeiter der einstigen nahen Braunkohlengrube manches Glas Bier geleert haben.
Nach mehreren Renovierung, zuletzt 1962, konnte nunmehr keiner mehr, der etwas auf sein Piskowitz hält, die Schäden am Wahrzeichen in der Dorfmitte übersehen.

 

Initiativgruppe will den Nachkommen ein Denkmal erhalten

Eine Initiativgruppe fand sich zusammen und ging das Vorhaben einer grundlegenden Sanierung an. Wären nur hartnäckige Algen zu beseitigen und die Farbe zu erneuern, hielte sich die Herausforderung in Grenzen. Das Gutachten des Denkmalschutzbeauftragten des Kreises Bautzen weist leider eminente Schäden an der Substanz aus, die spezifische Unter-suchungen, Freilegungen bis hin zu Sandsteinergänzungen und speziellen Farbaufbringungen mit sich bringen. Manches war zu bedenken und zu organisieren – den Denkmalschutz einschalten, eine Ausschreibung vornehmen u.a.m. Doch wie nicht so selten war auch in diesem Fall das liebe Geld das Nadelöhr. Aber die Initiativgruppe setzte auf die Verbunden-heit der Einwohner mit ihrem Ort und auf die Spendenwilligkeit der Kirchgemeinde. Allerdings sollte nichts ohne Zustimmung der dörflichen Gemeinschaft erfolgen. Man ging von Haus zu Haus und warb für die Idee einer gründlichen Restaurierung. Die katholische Pfarrgemeinde Nebelschütz insgesamt, ermuntert durch ihren Pfarrer, unterstützte das Anliegen. Die Spendenaktion im Februar zeitigte ein überraschendes, positives Ergebnis. So ist bis heute etwa ein Drittel der voraussichtlichen Kosten von 6000 € durch die Einwohner von Piskowitz gespendet worden. Mit weiteren Zuwendungen  und Fördermitteln der Denkmalsschutzbehörde dürfte die Finanzierung gesichert sein.

Am 1. Mai dieses Jahres (2012) will die Initiativgruppe die Restauration der Christusstatue abgeschlossen haben. Dann begehen die Piskowitzer den 20. Jahrestag der von ihnen selbst gebauten kleinen Kapelle, nur wenige Meter entfernt vom Denkmal. Allerdings muss das Wetter den Restaurateuren wohlgesonnen sein.  

von Helmut Schippel

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