Gemeinde Nebelschütz
mit den Ortsteilen Dürrwicknitz, Miltitz, Nebelschütz, Piskowitz, Wendischbaselitz.

Es verwundert nicht, dass viele Menschen auf dem Dorf leben wollen 2022 05 04 Artikel SN

Wenn in einigen Wochen in Nebelschütz ein neuer Bürgermeister gewählt wird, dann hat Thomas Zschornak nach 32 Jahren sein Amt abgegeben. Die Zügel in der kommunalen Arbeit jedoch lässt er nicht fallen. Derzeit muss er sich mit Informationen im Interent auseinandersetzen, über das Wirken des Bürgermeisters und des Gemeinderates für die Gemeinde. Milenka Retschke hat sich mit dem ehemals jüngsten und heute einem der erfahrensten Kommunalpolitiker im Sorbenland für die Serbske Nowiny unterhalten.

Sie hatten stets eine Vision für die Entwicklung ihrer Gemeinde. Haben sich diese im Laufe der Jahre verändert?

T. Zschornak: Letzendlich muss jede Gemeinde ihre eigene Vision zur Entwicklung haben. Wir haben unsere umgesetzt. Visionen können sich jedoch ändern. Vor allem wenn es in der Zeit guten Rat gibt und wenn Bewohner kritische Ideen äußern. Unsere Vision war zum Beispiel, in Nebelschütz ein historisches sorbisches Dorf zu errichten. Das Torhaus haben wir, welches darauf verweist. Damit wollten wit Touristen locken. Wir haben jedoch Erfahrungen gesammelt, dass dies nicht eine Gemeinde für sich erreichen kann, sondern dass die gesamte Region dafür nötig ist. So haben wir vor 22 Jahren in Nebelschütz den Krabatverein gegründet, dessen Vorsitzender ich vier Jahre war. Die wichtigste infrastruktur jeder Gemeinde jedoch sind ihre Einwohner. Bei der Entwicklung unserer Struktur haben Zukunftskonferenzen und Workshops geholfen, aus denen Pläne für die Dorfentwicklung entstanden sind.

Sie haben einmal gesagt, dass sie anderen Gemeinden zur Seite stehen wollen. Was ist ihr Plan?

T. Zschornak: Ich bin bereits jetzt monatlich unterwegs und mache das gern. Wir hatten in Nebelschütz über mehrere Jahre hinweg gute Berater, jetzt helfe und rate ich anderen. Einer lernt vom anderen, was ich als gute Motivation betrachte. So haben wir viele Menschen in unsere Gemeinde gelockt und sie für unsere Strukturen aber auch für das Sorbentum und die gesamte Krabatregion begeistert. 15 Jahre bereits kooperieren wir mit dem Gymnasium in Bischofswerda. Die Schüler beschäftigen sich bei uns mit der Entwicklung der dörflichen Gemeinde, welche auch der Enkelgeneration gute Bedingungen bieten soll. Dieses Thema findet sich auch im sächsischen Lehrplan sowie im Unterrichtsbuch für das Fach Geografie Terra.

Was ist mit den großen Vorhaben, welche nach der Wende überall gefordert waren, jedoch nicht immer willkommen?

T. Zschornak: Wir sind glücklich, dass nicht alle großen Investitionen verwirklicht wurden, so wie  die Biogasanlage und die Sandgrube. Damals jedoch waren Investitionen nötig, der fehlenden Arbeitsplätze wegen. Unterdessen haben wir in der Gemeinde eine Menge Unternehmen und Handwerker. Daraus resultieren recht gute Einnahmen aus den Gewerbesteuern, obwohl ein Großteil gesetzlicher Regelungen wegen nicht in der Gemeinde bleiben. Eine Statistik über Arbeitslose in der Gemeinde haben wir nicht, persönlich kenne ich auch niemanden ohne Arbeit. Nebelschütz bietet eher Arbeitssuchenden aus anderen Gemeinden und Kamenz Beschäftigungsmöglichkeiten. 

Die Wirtschaft spielt eine immer größere Rolle. Wie haben sie das gemeistert?

T. Zschornak: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir die Aufgabe haben junge Menschen zu  unterstützen zum Beispiel bei der Gründung von Start-up Unternehmen. Wir haben drei Gewerbegebiete entwickelt, in Miltitz, Piskowitz und Nebelschütz. Da wir noch unbebaute Grundstücke anbieten können, haben unsere Unternehmen die Möglichkeit zum erweitern. Vielleicht entsteht in der Gemeinde, in Miltitz bald ein neues Gewerbegebiet. Das Besondere daran ist, daß wir vorhandene Infratsruktur verwenden,  so dass niemand auf der grünen Wiese bauen muss. Mit der Perspektive auf die Selbstversorgung unserer Dörfer haben wir Wälder, Wiesen und Felder gekauft. Besitz ist für eine Gemeinde wichtig, damit sie Strukturen bilden kann.  

Es verwundet deshalb nicht, dass sich viele Menschen in der Gemeinde Nebelschütz ansiedeln wollen, da sie gute Bedingungen für ein Leben auf dem Land bietet. Auf der anderen Seite zeigen Informationen einer so genannten Recherchegruppe Schadowitz im Internet eine gewisse Unzufriedenheit der Einwohner. Wie bewerten Sie das?

T. Zschornak: In unserer Gemeinde kann jeder kritische Fragen stellen und der Fragende erhält Antwort. Deshalb bin ich sehr verwundert, dass im Internet anonym Informationen veröffentlicht werden. Die entsprechenden Internetseiten sind im Ausland registriert, was ein Aufspüren der Autoren erschwert. Dass sich diese Kritiker dahinter verbergen, dass halte ich in einer Zeit, in der Gemeinsamkeit nötig wäre, für unverständlich. Für mich ist jedoch normal, dass nicht immer alle Leute zufrieden sind mit Entscheidung die getroffen wurden. Jedoch alles Erreichte in Frage zu stellen ist schlimm. Wir haben viele Leute, die dieses Vorgehen ablehnen. Sie haben auch auf die Veröffentlichung im Internet keine Zustimmung gegeben ganz im Gegenteil. Die Gemeinde sowie die Vereinen lehnen dieses Vorgehen ab und dstanzieren sich von diesem Vorgehen im Netz. Solche Aktiven schaden der dörflichen Gemeinschaft und der Entwicklung der Gemeinde. Wir haben schließlich eine sehr gute öffentliche Lobby. Solch ein Vorgehen verletzt unsere Einwohner, sie sind unsicher. Ich selbst sehe dies als Prozess und bin dankbar für das Infragestellen, obwohl es unverständlich ist. Unterdessen prüft das Rechtsaufsichtsamt des Landkreises Bautzen alle erwähnten Beschlüsse sowie das Vorgehen. Zugleich beschäftigt sich das sächsische Innenministerium mit dieser Problematik. Unsere Einwohner werden die Ergebnisse aus den Untersuchungen erhalten. Dann wissen wir, was daran ist und die Unsicherheit wird hoffentlich verloren gehen. 

Leuten, welche sich die Veröffentlichungen der Recherchegruppe angesehen haben, behaupten jedoch, dass dort etwa 80 Prozent der veröffentlichten Fakten wahr sind. Ist das möglich?

T. Zschornak: Das sind Lügen. Wir können Alles beweisen. Und darauf bin ich sehr stolz. Das Gemeindeparlament hat mit Verstand Entscheidungen getroffen. Der Bürgermeister hat eigene Ideen, entscheiden muss jedoch der Gemeinderat. Das Prüfen der Informationen aus dem Internet raubr uns viel Zeit für das Erfüllen anderer Aufgaben. Ich bin dankbar dass Alles geprüft wird, dass nicht über Jahre hinweg noch Geschwätz verbreitet wird. Zugleich kann ich meinem Nachfolger eine gute Grundlage für die weitere Arbeit übergeben.

Welche Meinung haben die Einwohner zu diesen Informationen im Internet?

T. Zschornak: Parallel zu unseren Recherchen haben mehrere Einwohner die Vorgänge der Polizei mitgeteilt, die gute Kontakte zum Innenministerium und zum Landratsamt hat. Es ist wichtig die Initiatioren der Internetseiten zu finden, so dass in den kommenden Jahren keine Falschinformationen verbreitet werden. Damit ist unser Vorgehen Motivation für andere Gemeinden, die sich mit ähnlichen Diffamierungen auseinandersetzen müssen. Auch das Gesetz gegen Kriminalität aus Hass unterstützt den Schutz von Kommunalpolitikern. Wir pflegen Kontakt nach Pulsnitz, wo die Bürgermeisterin ebenfalls mit ähnlichen konfrontiert wird. Unsere Aufgabe ist es anderen Gemeinden im gemeinsamen Wirken für Zivilcourage Möglichkeiten aufzuzeigen, sich zu schützen. 

Was ist Ihnen noch wichtig zusagen?

T. Zschornak: Auch in schwierigen Zeiten gibt es immer eine Perspektive. Die Zeit der gesellschaftlichen, das heißt politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen, die uns derzeit erwarten,  welche zugleich das Leben jedes Einzelnen beeinflussen, haben wir als Herausforderung zu nehmen. Nur in der Krise kann man etwas ändern. Wir brauchen Menschen, die vorwärts denken und die sich Hilfe bei anderen suchen, bei denen, die bereits nicht mehr in der Verantwortung stehen, die jedoch Erfahrungen haben. In Zukunft wird besonders in den Dörfern nötig und möglich sein eine gewisse Gemeinsamkeit und Solidarität zu entwicken. Das ist in den vergangenen Jahren mit dem Propagieren der Individualität etwas verloren gegangen. Ich sehe, dass es möglich ist den Kommunen eine gute Strukltur aufzubauen, in dem wir uns vergegenwärtigen, dass einer den anderen braucht. 
 
Übersetzung aus dem Artikel der SN vom 04.05.2022
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